Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 17

Billiglöhne müssen auch im Landkreis Kronach teuer bezahlt werden

Billiglöhne müssen auch im Landkreis Kronach teuer bezahlt werden

Im Landkreis Kronach müssen nach DGB-Berechnungen monatlich im Schnitt rd. 67.000 Euro an Steuermitteln aufgewendet werden, um Geringverdienern mit Vollzeitjob das Existenzminimum zu sichern. Rechnet man die Betroffenen mit sozialversicherten Teilzeitjobs hinzu, so sind es bereits über 111.000 Euro im Monat, die Kommunen und Bund gemeinsam über das Hartz IV-System beisteuern müssen.
„Armut trotz Erwerbstätigkeit ist auch im Landkreis Kronach ein ernstes Problem, das uns alle teuer zu stehen kommt“, so Mathias Eckardt, der Vorsitzende der DGB-Region Oberfranken-West.

Aufs ganze Jahr 2010 gerechnet summieren sich die Hartz IV-Aufwendungen für erwerbstätige Arme mit Vollzeitjob bereits auf über 800.000 € und für jene mit sozialversicherter Teilzeit auf nochmals 546.000 €. 208 Haushalte wurden allein im Landkreis Kronach im Durchschnitt des Jahres 2010 gezählt, die von der Arbeit mindestens eines sozialversichert Beschäftigten nicht leben konnten. Im Schnitt musste der Lohn ergänzend über Hartz IV um 529 Euro im Monat aufgestockt werden. Dabei nehmen längst nicht alle in Frage kommenden Geringverdiener ihren Anspruch auf zusätzliche Fürsorgeleistungen wahr. „Nur etwa jede/r zweite Vollzeitbeschäftigte stockt den geringen Verdienst mit Hartz IV auf“, so Mathias Eckardt. Der DGB beruft sich dabei auf frühere wissenschaftliche Untersuchungen von Sozialforschern.

Wesentliche Gründe für den Verzicht seien fehlendes Wissen, aber auch „Scham und Scheu“ vor dem Antragsverfahren. Viele wollten sich nicht quasi finanziell vor den Behörden „ausziehen“. Ein Ratgeber des DGB gibt viele hilfreiche Informationen für Niedriglohnempfänger, die Anspruch auf Hartz IV haben.

Neben den Aufstockern mit sozialversichertem Job gab es 2010 im Schnitt aber auch 25 Hartz IV-Haushalte von selbständig Tätigen und weitere 207 Haushalte, in denen mindestens eine Person einen Minijob hat. Unter Einbeziehung auch dieser Bedarfsgemeinschaften mussten insgesamt für alle Erwerbstätigen mit Niedrigeinkommen im Landkreis Kronach sogar gut 319.000 Euro Monat für Monat ergänzend zum Lohn über Hartz IV aufgestockt werden. Dies entspricht einer Jahressumme von sage und schreibe 3,83 Mio. € für alle erwerbstätigen Armen, die durch Hartz IV aufgestockt werden musste; diese enorme Summe zeigt, wie teuer Armut trotz Arbeit auch in unserem Landkreis ist.

„Wenn Lohndumping und prekäre Beschäftigung nicht zurückgedrängt werden, müssen bundesweit sogar Steuermittel dauerhaft in Milliardenhöhe aufgebraucht werden. Dadurch drohen weitere Wettbewerbsverzerrungen zwischen Unternehmen, die existenzsichernde Löhne zahlten und denjenigen, die sich die Armutsfalle zunutze machen“, so Eckardt.

Die staatliche Subventionierung der Niedriglöhne müsse durch Mindestlöhne nicht unter 8,50 Euro die Stunde und ein besseres Wohngeld, insbesondere für Geringverdiener mit Kindern, zurückgedrängt werden. Gesetzliche Mindestlöhne würden Bund, Städte und Gemeinden gleichermaßen entlasten und finanzielle Spielräume für andere wichtige Aufgaben im Bildungs- und Sozialsystem schaffen.

 

 

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