Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 08
Leiharbeit

Lohnabstand in der Leiharbeit

Pressemeldung

Leiharbeiter werden auch in der DGB-Region Oberfranken West deutlich schlechter bezahlt als andere Beschäftigte. „Erstmals hat jetzt der DGB eine Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit-Statistik zu den Bruttoverdiensten für die Leiharbeitskräfte in der Region Bamberg/Forchheim vorgelegt“, sagte der DGB-Regionsvorsitzende Mathias Eckardt “Die finanzielle Lage ist noch weit schlechter als wir befürchtet haben. Auch bei uns können viele trotz Vollzeitarbeit von ihrem Gehalt als Leiharbeiter nicht leben; sie müssen oftmals einem Zweit- oder Drittjob nachgehen oder sind auf Hartz IV angewiesen. Leiharbeiter leisten die gleiche Arbeit wie andere Beschäftigte, bekommen aber deutlich weniger Geld und werden häufiger auch entlassen“, so Eckardt.

Im Arbeitsamtsbezirk Bamberg haben die Leiharbeitskräfte Ende 2009 im Schnitt nur 1.371 € brutto im Monat verdient; dabei sind sie einer sozialversicherten Vollzeitbeschäftigung nachgegangen. Dies sind gut 1.225 € im Monat weniger als Vollzeitbeschäftigte in der Region insgesamt erhalten. Obwohl viele Betriebe in der Region schlecht bezahlen, verdienen Leiharbeitskräfte nochmals rund 47 Prozent weniger als andere Vollzeitbeschäftigte in der Region. Noch größer ist der Lohnabstand im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe (1.602 € im Monat bzw. 53 Prozent), wo Leiharbeitskräfte häufig eingesetzt werden.

Der DGB-Auswertung liegen die Lohnangaben der Betriebe zur Sozialversicherung für 1.291 vollzeitbeschäftigte Leiharbeitskräfte der Region zugrunde. Gut ein Drittel dieser Leiharbeitskräfte (368 Beschäftigte) hat weniger als 1.200 € brutto im Monat verdient und weitere 32,3 Prozent kamen nur auf ein Bruttoeinkommen von 1.200 € bis 1.500 € monatlich.

Lediglich 218 im Verleihgewerbe beschäftigte Vollzeitkräfte verdienten mehr als 2.100 € im Monat. Dies waren nur 17,6 Prozent der Beschäftigten in der Leiharbeit, wobei das Stammpersonal und die Disponenten der Verleiher bereits enthalten sind. Im Unterschied zum Verleihgewerbe verdienten immerhin 69,1 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten in der Region mehr als 2.100 € und im Verarbeitenden Gewerbe waren es sogar 82,7 Prozent der Beschäftigten mit Vollzeitjobs.

Selbst unter Einbeziehung unterschiedlicher Qualifikationen ist dieser große Einkommensabstand nicht gerechtfertigt. Leiharbeitskräfte werden in allen Qualifikationsstufen meist schlechter bezahlt als es ihrer Qualifikation entspricht. Leider können aus datenschutzrechtlichen wie methodischen Gründen keine differenzierten Einkommensdaten nach Qualifikationsniveau in der Region Bamberg vorgelegt werden.

Ergänzende Auswertungen des DGB zeigen jedoch, dass in Bayern Leiharbeitskräfte mit Berufsabschluss gleichfalls rund 35 Prozent weniger verdienen als Vollzeitbeschäftigte mit Berufsabschluss insgesamt. Landesweit verdienten auch sie im Schnitt nur 1.535 € brutto monatlich gegenüber 2.789 € aller Vollzeitbeschäftigten insgesamt mit Berufsausbildung.

„Leiharbeit ist – unabhängig vom Qualifikationsniveau – ein ausgeprägter Niedriglohnsektor, bei dem der Staat Lohndumping und nicht existenzsicherndes Arbeitseinkommen oftmals über Hartz IV oder andere Sozialleistungen wie Wohngeld (indirekt) subventionieren muss. In keiner anderen Branche ist das Armutsrisiko trotz Erwerbstätigkeit so groß wie in der Leiharbeit“, so der DGB-Regionsvorsitzende.

„Die Neuordnung der Leiharbeit mit den Hartz-Gesetzen ist gründlich gescheitert. Nach Auffassung des DGB ist diese Situation auch nicht mit einer EU-Richtlinie vereinbar, die bis zum Jahresende in deutsches Recht umgesetzt werden muss.

Die Richtlinie verlangt, dass auch bei einer tariflichen Abweichung der Gesamtschutz der Leiharbeiter gewahrt werden muss. Angesichts dieser Daten kann davon in Deutschland jedoch keine Rede sein. Vielmehr wird das unternehmerische Risiko auf die Leiharbeitskräfte, die Sozialkassen und den Steuerzahler verlagert. Während die Unternehmen indirekt subventioniert werden, fehlt Geld für die Bildung und für die Unterstützung von Kindern. Der Gesetzgeber ist gefordert, diesen unwürdigen

Zustand endlich zu beenden. Was in anderen Ländern geht, muss auch in Deutschland möglich sein. In 10 EU-Ländern gilt inzwischen Gleichbehandlung der Leiharbeitskräfte ohne Ausnahme. In keinem Land der EU sind die Lohnunterschiede so hoch wie in Deutschland. Wir haben hier eindeutig die Rote Laterne.

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