Deutscher Gewerkschaftsbund

01.09.2015

Mythos fehlende Ausbildungsreife

Auch wenn sich der Ausbildungsstellenmarkt aufgrund der demografischen Entwicklung etwas entspannt hat, können viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen. Als Grund wird von Betrieben und von der IHK die mangelnde Ausbildungsreife vieler Bewerber_innen genannt. Aus Sicht des DGBs liegen die Ursachen aber wo anders.

„Die Bewerber_innen sind für eine Berufsausbildung mehr als ausreichend qualifiziert. 96% von ihnen haben einen allgemeinbildenden Schulabschluss“, sagt Claas Meyer, DGB-Jugendsekretär in Nordbayern. „Die immer wieder angeführte fehlende Ausbildungsreife ist ein seit Jahren gepflegter Mythos. In der Realität lassen sich keine empirischen Belege für eine fehlende Ausbildungsreife finden“, so Claas Meyer weiter.

Wenn es in manchen Berufen wachsende Besetzungsprobleme gibt, ist das ein wichtiges Indiz für eine schwindende Attraktivität dieser Ausbildungsberufe. „Wer eine gute Ausbildung bietet, bekommt auch gute Bewerber“. Es fällt auf, dass es Ungleichgewichte auf dem Ausbildungsmarkt gibt. Während einige Berufe sehr gefragt sind und die Betriebe in diesen Branchen nahezu keine Rekrutierungsprobleme haben, gibt es in einigen Berufen seit längerer Zeit Besetzungsprobleme.

Dazu müsse man sich die vakanten Ausbildungsstellen genauer unter den Gesichtspunkten Ausbildungsqualität und Ausbildungsbedingungen anschauen. „Wenn die Bezahlung unterdurchschnittlich ist, Übernahme- und Aufstiegschancen gering sind und Überstunden an der Tagesordnung sind, ist der Ausbildungsberuf für Jugendliche unattraktiv“, sagt Claas Meyer. Nicht umsonst blieben in den Berufen die meisten Ausbildungsstellen unbesetzt, die regelmäßig von den Azubis am schlechtesten bewertet werden.

„Gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe sind die Ausbildungsbedingungen miserable. Hier sind Überstunden und Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz eher die Regel als die Ausnahme. Da ist es kein Wunder, dass gerade in dieser Branche viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben“, führt Claas Meyer aus.

Entscheidend für die jungen Menschen sei schließlich auch die Perspektive, die sie mit einer Berufsausbildung gewinnen können. „Wenn am Ende der Ausbildung nur eine befristete Übernahme oder gar Leiharbeit steht und die Verdienstperspektiven sich im Niedriglohnbereich abspielen, darf sich kein Betrieb wundern, dass er keine Auszubildenden findet“. Folglich fasst Claas Meyer zusammen: „Wer Fachkräfte für morgen braucht, muss sie auch ausbilden! Wer eine gute Ausbildung bietet, bekommt auch gute Bewerber!“


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