Deutscher Gewerkschaftsbund

09.10.2018

14. Bayreuther Gespräche

Genau am 74ten Todestag Wilhelm Leuschners fanden im Bayreuther Leuschner-Zentrum die Bayreuther Gespräche zum vierzehnten Male statt.

Die Gespräche, die in Kooperation mit Förderverein, DGB Oberfranken, Landeszentrale für politische Bildung und unterstützt vom Bundesprojekt ‚Demokratie leben!‘ stattfanden, standen heuer unter dem Motto ‚Heimat in der Erinnerungskultur‘.

Der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, Hans Otto Hemmer aus Mettmann, stellte in seinem Eingangsreferat aus Alfred Haushofers ‚Moabiter Sonetten‘ die 32. Sonette mit dem Titel ‚Heimat‘ vor, in der es u.a. heißt:

….

Ich wollte nicht aus meiner Heimat gehn.
Sie schien mir lange guten Schutz zu gönnen.
Dann hat auch sie mich nicht mehr bergen können,
ich werde lebend kaum sie wiedersehn.

Alfred Haushofer war im Widerstandskreis um den Putschversuch vom 20. Juli 1944 im engen Kontakt zu Goerdeler, Popitz und auch Leuschner und wurde nach dem Attentat auf Hitler lange gesucht. Er tauchte in seiner bayerischen Heimat unter, wurde aber im Dezember 1944 von der Gestapo entdeckt und vor Freislers Volksgerichtshof in Berlin gestellt. Ende April wurde er von der SS ermordet. Sein Bruder, der den Leichnam auf freiem Feld fand, entdeckte in seiner Jackentasche die ‚Moabiter Sonetten‘, die 1946 posthum veröffentlicht wurden.

Im deutschen Widerstand war in den Zirkeln des ‚Kreisauer Kreises‘ und auch im gewerkschaftlichen Widerstand um Leuschner von dem Begriff Heimat als Raum von Recht und Menschenwürde in den programmatischen Überlegungen für ein ‚Neues Deutschland‘ stets die Rede.

An diese Tradition des Widerstands könnten wir heute in der Erinnerungskultur anknüpfen. Heimat als Erinnerungsort und deren Erfahrung im positiven, wie negativen Sinn sollte in der Erinnerungskultur eindeutiger besetzt werden. Die Deutungshohheit darf nicht ‚rechter‘ Politik überlassen werden, die  Heimat immer in Sinne von Ausgrenzung einsetzt.

Katharina Dötterl stellte die regionale Forschung der Stiftung für ein Projekt von ‚Demokratie leben!‘, die 2017 und 2018 im Landkreis Bayreuth gefördert wurde. Dabei wurde ein ‚Weg der Erinnerung‘ in der Region vorgeschlagen, den die Leuschner-Stiftung beispielhaft an Gruppen und Personen der Verfolgung und des Widerstands entwickelt hat. Im Raum Pegnitz wurde die Familie Lai und ihr Schicksal untersucht und bundesweit in Archiven deren Lebensweg recherchiert. In Gesprächen mit Landkreispolitikern wird inzwischen darüber verhandelt, wie diese Projektidee zum Leben erweckt werden kann.

Beate Michl von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit aus München verwies auf die Methode in der Bildungsarbeit Geschichte anhand von Biographien lebendig zu gestalten.

Herbert Schmid, von Arbeit und Leben in Bayern, kam aus Weiden zur musikalischen Gestaltung der Gespräche. Mit Liedern aus der Heimat und dem Lied ‚Moorsoldaten‘, dessen Text Leuschner in seiner Gefangenschaft 1933 im KZ Börgermoor in sein Notizbuch eintrug, wurde die Diskussion zum Heimatbegriff in eine andere kulturelle Dimension gebracht.

Das Fazit der Veranstaltung war die Vereinbarung, sich weiter in der Vermittlung der Erinnerungskultur über die schlimmste Epoche der deutschen Geschichte mit dem Deutungsgehalt von ‚Heimat‘ auseinander zu setzen.


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