Deutscher Gewerkschaftsbund

10.11.2011
Frauentag

Ausstellung 100 Jahre Frauentag

Eröffnungsrede des DGB Regionsvorsitzenden

Liebe Frauen und Freundinnen,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr verehrte Damen und Herren,

 

"Mehr Stolz, ihr Frauen!

Wie ist es nur möglich, dass ihr euch nicht aufbäumt gegen die Verachtung, die euch noch immer trifft. - Auch heute noch?

Ja, auch heute noch. (...) "

 

Diese Worte rief die Schriftstellerin Hedwig Dohm den Frauen bereits vor über 100 Jahren entgegen.

Müssen wir heute noch  immer die Kämpfe von gestern kämpfen?

Ja, das müssen die Frauen wohl, wenn sie nicht verspielen wollen, was die Generation ihrer Mütter begonnen hat:

Nämlich Gleichheit nicht nur vor dem Gesetz sondern gleiche Chancen in allen Lebensbereichen.

Noch nie waren Frauen so gut ausgebildet wie heute.

Sie haben häufig bessere Abschlüsse als ihre gleichaltrigen Männer.

Niemand bestreitet ihre Qualifikation und ihr Recht, sich ihren Lebensweg selbstbestimmt zu wählen.

Sie sind ehrgeizig, selbstbewusst, haben in ihren Bewerbungs­mappen beeindruckende Lebensläufe – und berufliche Pläne -wie ihre männlichen Lebenspartner und Kollegen.
Warum bleiben sie aber dennoch auf halbem Weg stecken?

Warum verdienen sie immer noch 23,2 % weniger als Männer?

Warum funktionieren in der Wirtschaft nach wie vor die männlichen Seilschaften?  

Weil der weibliche Nachwuchs sich wie eh und je an den „gläsernen Decken“ in den Unternehmen die Köpfe blutig schlägt. Das hat viele Gründe. Einer der wichtigsten ist, dass angesichts der Situation in der Kinderbetreuung Frauen sich de facto immer noch zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen.

Das hat aber auch zu tun mit der Organisation des von Männern bestimmten Arbeitslebens, das Präsenz bis in die Abendstunden und an Wochenenden erfordert.

Die aktuelle Diskussion über die Einführung einer Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten beweist dies wieder deutlich.

Wenn wir heute aber über Gleichstellungspolitik reden, denke ich aber nicht nur an die Frauen in den Chefetagen.

Wir sollten am Frauentag auch an die Frauen denken, die – aus welchen Gründen auch immer – ein niedriges Gehalt und dementsprechend weniger Rente später zu erwarten haben. Verheiratete Frauen, die immer auf das Familieneinkommen des Ehemannes angewiesen waren, verfügen meistens nur über eine geringe Altersvorsorge. Altersarmut wird in einigen Jahren weiblich sein. Hier darf niemand die Augen davor verschließen, hier müssen wir heute entgegen steuern.

Gleichstellungspolitik muss zum Ziel haben, soziale Risiken in den Lebensläufen zu erkennen. Dazu  brauchen wir  familien-, gleichstellungs- und kinderfreundliche Lebens- und Arbeits­bedingungen.

Und deshalb freue ich mich, dass ich als einer der wenigen Männer in diesem Raum – man könnte auch behaupten, als der Quotenmann – heute hier diese Ausstellung eröffnen darf.

Um es vorweg zu nehmen, solch eine Ausstellung erfordert bereits in der Vorbereitung viele weibliche Tugenden. Vor allem aber  Mut, Entschlossenheit und Tatkraft.

Deshalb möchte ich heute – die Ehrengäste mögen mir es verzeihen - ganz besonders das Ehepaar Mathilde und Hans Wolff begrüßen, ohne dessen Engagement wir heute nicht hier stehen würden.  

Ganz besonders möchte ich natürlich auch unseren Oberbürgermeister der Stadt Bamberg, Andreas Starke, herzlich willkommen heißen.

Auf Wunsch des Ortsfrauenausschusses der IG Metall, bist du der einzige Mann den ich heute begrüßen darf.

Und damit kommen wir auch schon zu den Hauptpersonen unserer heutigen Ausstellung: „100 Jahre Internationaler Frauentag“, nämlich den Frauen.

Einige werden noch nach mir das Wort ergreifen, deshalb brauche ich sie nicht extra vorzustellen. Denn sie sind selbstbewusst genug, dies selbst zu übernehmen.

Aus diesem Grund begrüße ich alle, die heute hierhergekommenen sind, egal ob männlich oder weiblich.

Seien sie uns herzlich willkommen.

Ich wünsche ihnen und euch jetzt einen interessanten und kurzweiligen Abend und danke für die Aufmerksamkeit!

 

 

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