Deutscher Gewerkschaftsbund

20.11.2015

Die Demografielüge

Wie mit Bevölkerungsstatistik Angst gemacht wird

Prof. Gerd Bosbach von der Hochschule Koblenz war nach Bamberg gekommen, um den Kolleginnen und Kollegen Mut zu machen. "Produktivität schlägt Demografie! Wir können uns eine gute Rente für alle leisten." Gerd Bosbach stellte dazu eine zentrale Frage: wollen wir es?!

Der Saal im Gewerkschaftshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Gerd Bosboch argumentiert schnell, stark und mit zahlreichen Berechnungen unterlegt: eine gute, lebensstandardsichernde Rente ist für alle finanzierbar! Das sei für manche ein Schock. Denn seit Jahren werde mit Zukunftsprognosen Angst und Politik gemacht. Der Kölner erinnerte an den Start der Debatte. "Um die Jahrtausendwende stagnierte die Wirtschaft, die Arbeitslosenzahlen waren relativ hoch und die Sozialkassen leer. Im der Lüge der Demografie gelang es Finanzlöcher zu stopfen und die Unternehmen zu entlasten. Gezahlt wird die Rechnung von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern."

Gerd Bosbach kritisierte scharf die Einführung der sogenannten Riesterrente. Nie sei es jemanden gelungen den Sinn und die Rentabilität der Riesterrente zu erklären. Beim 10. "Geburtstag" wurde eingeräumt, dass diese nur dank der staatlichen Zuschüsse rentabel sei. "Bei der Reform, die nichts anders bedeutete als privat vor Staat, sind die Versicherungen und die Arbeitgeber die Gewinner."

Eine ähnliche "Katastrophe" sei die Rente mit 67. "Auch hier wurde über Medien, diverse wissenschaftliche Institute und auch von Seiten der Politik Stimmung gemacht. Wieder hörten wir das Märchen von der älterwerdenden Gesellschaft und den wenigen Kindern", so Gerd Bosbach. Das Ergebnis sei ähnlich: weniger Rente für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, mehr Gewinne für die Arbeitgeber.

Wie wichtig die Entwicklung der Produktivität und vor allem deren gerechte Verteilung für die Rente ist, machte Gerd Bosbach an einem einfachen Beispiel fest: Sie backen zu ihrem Geburtstag einen Kuchen. Jeder Gast bekommt ein Stück. Im nächsten Jahr backen sie noch einen kleineren weiteren Kuchen dazu, laden aber weniger Gäste ein. Alle Gäste werden mehr Kuchen bekommen. Es sei denn sie essen alles alleine und die Gäste müssen sich um ein Stück streiten.

Der DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt dankte Prof. Gerd Bosbach für seinen beeindruckenden Vortrag. Bei der Diskussion wurde deutlich: wir müssen gemeinsam handeln!

 


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